Die richtige Topfwahl – Die Qual der Wahl

Töpfe gibt es in allen verschiedenen Größen, Formen, Varianten und Farben, angefangen beim klassischen Tontopf über den viereckigen Plastiktopf hin zu den modernen belüfteten Töpfen aus Kunststoff oder Textil.

Fangen wir zunächst beim Material an. Wurden früher hauptsächlich Keramiktöpfe verwendet, so findet diese Art von Topf heutzutage höchstens noch aus ästhetischen Gründen Verwendung. Tontöpfe haben einige große Nachteile, weswegen wir Ihnen davon abraten möchten diese als Obst & Gemüsetöpfe zu verwenden. Der Hauptnachteil von Tontöpfen kommt besonders im Sommer hervor, wenn sich der Ton stark erhitzt und die Wurzeln unserer kostbaren Pflanzen geradezu gebacken werden.  Der einzige Moment an denen Keramiktöpfe noch verwendet werden könnten wäre im Frühjahr, wo die Wärmespeichereigenschaften dieser Töpfe für angenehme Temperaturen während kalter Nächte führen können. Dennoch haben Keramiktöpfe ein ungünstiges Luft-Wasser Verhältnis, was dazu führt das Tontöpfe schneller austrocknen und zuviel Feuchtigkeit in den Randbereich des Topfes ziehen.

Für die Obst- & Gemüsezucht konnten sich in den letzten Jahrzehnten Kunstofftöpfe immer stärker durchsetzen und dies hat seine Gründe. Kunststofftöpfe erhitzen sich nicht so stark wie Keramiktöpfe und die Wurzelzone wird vor zu heißen Temperaturen geschont. Für Töpfe die den ganzen Tag in der Sonne stehen gibt es sogar weiße Varianten, die sich noch langsamer erhitzen, da weiße Farbe Hitze reflektiert und so der Topf nicht zu stark erwärmt wird. Kunststofftöpfe sind außerdem erheblich günstiger als Tontöpfe und lassen sich deutlich besser reinigen, stapeln und sortieren. Plastiktöpfe gibt es als runde und eckige Varianten, wobei wir unseren Gärtnerfreunden immer wieder erklären wie wichtig es ist, jeder Pflanze ihren Freiraum zu lassen, damit die Pflanzen stressfrei aufwachsen. Pflanzen wir nämlich dicht an dicht, so erzeugen wir einen „Waldeffekt“ der bewirkt, dass unsere Pflanzen viel Stängel und weniger Verästelungen bilden, da der einzige Freiraum für die Pflanze das Höhenwachstum darstellt. Platzieren wir unsere Pflanzen mit ausreichend Freiraum, so werden unsere Pflanzen den Freiraum ausnutzen und kompakter sowie gedrungener wachsen. Mehr Ertrag erzielen wir über zu viele Pflanzen auf zu kleiner Fläche auch nicht, da das Platzangebot den Ertrag beeinflusst.

56101_Ein findiger Amerikaner, Dr. Carl Whitcomb, der außerdem zu den weltweit führenden Experten zählt, was die Wurzelentwicklung von Pflanzen betrifft, fing bereits in den Achtzigern des letzen Jahrhunderts damit an Töpfe zu entwickeln, die ein besseres und stärkeres Wurzelwachstum erzeugen. Zu seinen ersten Patenten zählten textile Pflanztöpfe. Diese Art von Topf die heute von zahlreichen Herstellern angeboten werden wie beispielsweise die SmartPots, Root Pouch oder ähnliche wiesen konventionellen Töpfen zahlreiche Vorteile auf. Textilgewebe erhitzt sich nicht so stark wie Tontöpfe, also sind Textiltöpfe auch dazu geeignet in der prallen Sonne zu stehen. Durch die Wasserdurchlässigkeit läuft überschüssiges Wasser leichter ab und ein Übergießen wird mit Textiltöpfen stark erschwert. Da der Randbereich von Textiltöpfen immer wesentlich trockener ist als der Kernbereich werden die heranwachsenden Wurzelspitzen im Randbereich durch Trockenheit beschnitten. Eine der wichtigsten Ressourcen für Pflanzen stellt Wasser dar und nur durch Wurzelwachstum kann die Pflanze nach Wasser suchen. Dementsprechend signalisiert der Textiltopf der Pflanze, dass nicht ausreichend Wasser zur Verfügung steht und das Wurzelwachstum der Pflanze wird stark angeregt. Nur Pflanzen mit einem starken Wurzelsystem sind in der Lage groß und kräftig zu werden und hohe Erträge zu liefern. Durch diesen vorgegaukelten Wasserentzug werden Pflanzen in Textiltöpfen dauerhaft zu einem starken Wurzelwachstum angeregt, wodurch die Gesundheit der Pflanzen gefördert wird.

Textiltöpfe haben aber leider auch einige Nachteile, weshalb Dr. Whitcomb im Laufe der Jahre einige Neuerungen entwickelte, die wiederum andere Topfproduzenten adaptierten.

Textiltöpfe neigen bei starker Düngung zur Salzanreicherung am Gewebe, wodurch Überdüngungen und Nährstoffungleichgewichte entstehen können. Bei einer rein biologischen Düngung stellt dies kaum ein großes Problem dar. Für Textiltöpfe die auf festen Boden stehen, wie einer Folie, Beton oder ähnlichen kommt zusätzlich das Problem auf, dass der Rand des Topfes zwar gut drainiert, der Boden des Topfes aber zu nass ist. Dies unterdrückt eine gute Wurzelentwicklung in Topfbodennähe. Bei Textiltöpfen die auf Erde oder auf erhöhten Gittern stehen kommt dieses Problem nicht auf, da die unter dem Topf liegende Erde überschüssiges Gießwasser aufnimmt bzw. durch das Gitter ablaufen kann.

Dr. Whitcombs nächste Entwicklungsstufe war der Superroot-Airpot. Diese Airpot-Töpfe werden aus einer speziellen Matte und einem Bodenstück zusammengeschraubt. Die Matte sieht so ähnlich aus wie ein Eierkarton, hat also unterschiedlich stark ausgeprägte Wellen und Dellen. Dies verringert die Ringwurzelbildung von Pflanzen und durch zusätzliche Löcher in den Dellen kann überschüssiges Wasser abfließen und es kommt wieder zur Beschneidung der Wurzelspitzen. Des Weiteren liegt die Bodenplatte des Superroot-Airpot nicht direkt auf dem Boden auf, so dass überschüssiges Wasser komplett abfließen kann und auch der Bodenbereich des Topfes belüftet wird. So schön und praktisch Superroot-Airpots auch seien mögen das Montieren und Demontieren der Töpfe ist eine Qual, weil jeder Topf aus mindestens vier Teilen besteht, von denen besonders die Schraubteile gerne einmal verloren gehen.

Die nächste Entwicklungsstufe der belüfteten Pflanztöpfe war die Entwicklung eines einteiligen Topfes, der die Vorteile der Textiltöpfe und denen der Superroot-Airpots verbindet. Da der Topf aus einem Stück besteht können keine Teile verloren gehen und das Umtopfen wird deutlich erleichtert. Die Töpfe lassen sich leicht reinigen und verstauen und Salzablagerungen am Topf gehören der Vergangenheit an.

Leider gibt es in Europa die Root-Trapper und Root-Maker Töpfe nicht zu kaufen, aber die Air Max Pots, Ercole Airpots und andere belüftete Kunststofftöpfe sind eine gute Alternative. Besonders zur Anzucht von Pflanzen die später ins Freiland gesetzt werden sollen legen wir Ihnen die Air Max Pots wärmstens ans Herz, da die konisch zulaufende Form eine explosionsartige Wurzelentwicklung nach dem Umpflanzen verursacht.

Wie groß sollte der Topf gewählt werden?

Die richtige Topfgröße zu wählen fällt vielen Gärtnern schwer. Je kleiner das Samenkorn, umso kleiner sollte der Anzuchttopf ausfallen. Tomaten, Paprikas, Basilikum und andere Pflanzen mit kleinen Samenkörnern sollten in maximal 8x8cm große Töpfe gesät werden während Pflanzen wie Gurken, Kürbis, Sonnenblumen und andere Pflanzen mit großen Samenkörnern bereits in 11x11cm bzw. 1 Liter Töpfe gesät werden sollten.

Wann sollten meine Pflanzen umgetopft werden? 

Der richtige Moment des Umtopfens ist entscheidend. Die Pflanze sollte den Topf zwar vollständig durchwurzelt haben, allerdings sollte der Wurzelballen noch sichtbar Substrat aufweisen. Also ein komplett weißer Wurzelballen ist bereits zu spät. Den richtigen Moment des Umtopfens zu erkennen erfordert etwas Erfahrung und Fingerspitzengefühl.

Es ist wichtig seine Pflanzen regelmäßig umzutopfen, um den zum Teil sehr kleinen Wurzelballen nicht zu ertränken. Der Wurzelraum der Pflanze sucht nach drei wichtigen Elementen, Wasser, Nährstoffe und Sauerstoff, die ein Dreieck bilden. Je nasser ein Topf ist, umso weniger Sauerstoff enthält das Substrat, da der Raum vom Wasser eingenommen wird. Umso trockener das Substrat ist, umso weniger Wasser wird der Pflanze zur Verfügung stehen. Je optimaler das Nährstoffdreieck entwickelt ist, umso besser wird die Pflanze wachsen. Der Optimalzustand ist aber sicherlich immer nur kurz der Fall entsprechend wollen wir als Gärtner versuchen unser Substrat möglichst oft im Optimum zu behalten. Dies geht aber nur wenn der Topf schnell genug austrocknet und ebenso schnell auch wieder Feuchtigkeit aufnehmen kann. Pflanzen wir also eine Pflanze mit recht kleinem Wurzelballen in einen viel zu großen Topf, beispielsweise von einem Liter auf einen 11 Liter Topf, so wird dieser Topf viel zu lange Zeit viel zu feucht bleiben und die Pflanze in Folge der schlechten Sauerstoffversorgung nur zögerlich wachsen. Die Pflanze wird zwar Wurzeln bilden, diese werden aber zunächst nur an den Außenbereich des Topfes wachsen, weil die Pflanze dort für sie ein optimales Trockenheits-Feuchtigkeits-Verhältnis vorfindet. Der Kern des Topfes wird nur sehr langsam von der Pflanze durchwurzelt werden.

Als guter Gärtner wollen wir also auch auf das Wurzelwerk der Pflanze Rücksicht nehmen, da nur eine Pflanze mit gesunden und starken Wurzeln eine gesunde Pflanze sein kann. Entsprechend gilt unsere Empfehlung meist von 0,25 Liter Töpfe auf 1 Liter umzutopfen und von dem 1 Liter Topf auf maximal drei bis fünf Liter Töpfe umzusteigen, bevor wir unsere Pflanzen in noch größere Container setzen oder sie ins Freiland pflanzen.

Jedes Umtopfen bedeutet für die Pflanze Stress, da wir nie verhindern können einige Wurzeln zu verletzen. Entsprechend versuchen wir den Stress für die Pflanze zu mindern, indem wir Wurzelstimulatoren vergießen, die einerseits für eine bessere Wurzelbildung sorgen und andererseits die Stresssymptome der Pflanze lindern. Um eine gute Durchwurzelung zu erzielen gießen wir nach dem Umtopfen die Pflanzen nur sachte an und warten vor dem nächsten Gießvorgang ab, dass der Topf etwas trockener ist, als wir ihn regulär gießen würden. Durch diesen leichten Trockenheitsstress fördern wir die Wurzelentwicklung und die Pflanze wird bei der nächsten Wassergabe noch stärkere Wurzeln ausbilden.

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  • Nachfrage zu den "Textilsäcken"

    Guten Tag,

    ein wirklich sehr interessanter Artikel. Das mit den Textiltöpfen leuchtet ein. Bei Weiterrecherche haben wir aber festgestellt das es diverse Anbieter gibt. Ein Unterscheidungsmerkmal scheint in der Verwendung der Materialien zu sein. Bei "Root Pouch" zb. wird eine Mischung aus wiederverwerteten Wasserflaschen und Naturfasern verwendet zu werden. Bei anderen Anbietern, wie "Maxpots" werden die Töpfe/Säcke anscheinend nur aus Naturfasern hergestellt. Bei anderen wird Vlies als Material angegeben. Bei "Smartpot" konnte ichs nicht genau recherchieren, aber die scheinen einen Preis gewonnen zu haben für Ihre Produkte. Wir würden uns gerne Pflanzsäcke zulegen, aber fragen uns jetzt welche am besten geeignet sind. Wir könnten uns vorstellen das die Wasseraufnahme bzw. Wasserhaltung in den Säcken bei einem Material das auch wiederverwertete Wasserflaschen beinhaltet vielleicht besser ist. Oder spielt das keine Rolle!? Es gibt jedenfalls nicht unerhebliche Preisunterschiede. Da gibts doch bestimmt Erfahrungswerte. Vielleicht können Sie dazu noch was sagen? Wir wären jedenfalls dankbar für weitere Infos.