Sea of Green – Das grüne Meer

Besonders im Gewächshaus oder beim Indoorgrowing geht es darum die zur Verfügung stehende Fläche optimal auszunutzen. Dies heißt, dass möglichst die gesamte Fläche bepflanzt sein sollte. Hierfür gibt es beispielsweise Rolltische, mit denen es möglich ist die Pflanzfläche maximal zu optimieren und möglichst wenig potenzielle Pflanzfläche durch Gänge zu verlieren. Haben wir das Management der Fläche optimiert, so können wir uns an die Optimierung der Kultur machen. Ein besonders bekanntes Stichwort ist hierbei das sogenannte „Sea of Green“, also das grüne Meer.

Das gesteckte Ziel ist hierbei eine komplett durch Pflanzen geschlossene Pflanzfläche. Besonders im Hobbyhomegrow-Bereich wurde hierfür folgendes Verfahren propagiert, das leider recht suboptimal ist.

Alle Töpfe dicht stellen und bei den Pflanzen eine umgehende Fruchtbildung einleiten. Durch dieses Verfahren erreicht der Gärtner eine umgehend geschlossene Pflanzfläche. Das klingt zwar zunächst einmal gut, da hierdurch von Anfang an möglichst wenig Licht „verloren“ geht es hat aber massive Nachteile.

Pflanzen stehen in fortlaufendem Konkurrenzkampf zu ihren Nachbarpflanzen. Jede Pflanze hat einen starken Überlebenswillen, wodurch sie beispielsweise durch Dichtstand oder Beschattung immer versuchen wird ihren Nachbarn zu überragen um für das eigene Wachstum ausreichend Licht zu bekommen.

Ein Beispiel welches ich selbst immer gerne anbringe sind Bäume im Wald und Einzelbäume auf dem Feld. Gehen wir in den Wald, so stehen die Bäume in fortlaufender Konkurrenz dicht an dicht. Durch diese Konkurrenz und den Dichtstand, wodurch wenig Licht ins Innere des Waldes gelangt bilden die Bäume sehr lange astreine Stämme und verhältnismäßig wenig Biomasse in der Krone (1:3). Schauen wir uns nun den Baum in Einzellage auf dem Feld an, dann können wir einen starken kurzen Stamm und eine deutlich größere Krone beobachten (3:1). Dieses Verhältnis kann immer nur dann entstehen, wenn die Pflanze möglichst niedrigem Konkurrenzstress ausgesetzt ist und das Sonnenlicht die Pflanze tief penetrieren kann.

Dasselbe passiert, wenn wir unser Pflanzen im Gewächshaus oder in der Growbox dicht an dicht stellen. Wir erzeugen automatisch den „Waldeffekt“ der bei den Pflanzen starken Stress auslöst, wenig Licht ins Innere lässt und zu wenig Biomasse führt. Natürlich wollen wir unsere Pflanzfläche optimal ausnutzen, aber wir möchten eine geschlossene Pflanzfläche erst dann erreichen, wenn das Höhen- sowie Seitenwachstum abgeschlossen ist und die Pflanze in die Reifephase gelangt. Dies ist der optimale Zeitpunkt tatsächlich ein „Sea of Green“ zu erreichen. Also nicht direkt in den ersten zwei bis drei Wochen, sondern eigentlich erst aber der 4-6 Woche der Blüte & Fruchtbildung.

Bis zu diesem Zeitpunkt sollten sich die Pflanzen möglichst nicht berühren können. Pflanzen haben keine Augen, sie können also nicht visuell feststellen, dass ihnen ihr Nachbar näher kommt aber Pflanzen können Berührungen wahrnehmen. Berühren die Blätter dauerhaft die Wand oder eine Nachbarpflanze löst dies bei der Pflanze die Stressreaktion aus, wodurch sie vermehrt in die Höhe schießen wird, weniger Seitentriebe entwickelt und sich abschließend die Biomasse verringert.

Entsprechend möchten wir zusehen, dass unsere Pflanzen nicht in Dichtstand geraten. Hierfür stellen wir die Pflanzen regelmäßig etwas auseinander, so dass sie sich nicht berühren können oder an die Wand geraten. Unser Ziel im Gewächshaus oder beim Indoorgrow ist nie ein „Ertrag pro Pflanze“ dieser ist nämlich variabel sondern immer einen „Ertrag pro Fläche“, der weniger variabel ist.

Beispielsweise könnte man eine einzelne Pflanze auf einen Quadratmeter setzen, die sich sehr lange im Wachstum befand und am Ende einen Ertrag von 400-600g verwertbarer Trockenmasse liefert, genauso ist dies natürlich auch mit 30 Pflanzen pro Quadratmeter möglich. Beide genannte Varianten sind allerdings ineffektiv. Bei der ersten Variante vergeht zu viel Zeit bis die Pflanze die entsprechende Größe erreicht hat um die Fläche auszufüllen. Die zweite Variante ist deshalb ineffektiv, weil wir pro Pflanze deutlich weniger Biomasse erzeugen, einen deutlich höheren Arbeits- & Zeitaufwand sowie höhere Ausgaben haben, da wir mehr Töpfe, Dünger und Wasser zur Versorgung der Pflanzen benötigen.

Wir möchten immer so effektiv wie möglich arbeiten. Entsprechend suchen wir den Mittelweg aus beiden Varianten. Gehen wir davon aus mit starken Samen- oder Steckllingspflanzen zu arbeiten. Diese wuchsen zwei bis drei Wochen und haben in dieser Zeit bereits 20-35cm erreicht. Durch den zur Verfügung stehenden Platz haben die Pflanzen starke Seitentriebe entwickelt und sind beinahe breiter als hoch. Nun stellen wir unsere Pflanzen mit größeren Töpfen auf die zu Verfügung stehende Gesamtfläche und leiten die Fruchtbildung ein. Während der kommenden 4-6 Wochen, bis die Pflanzen mit dem Höhen- & Seitenwuchs einstellen um mit der Reife zu beginnen legen sie nochmals 100-150% der Höhe und Breite zu. Unsere Pflanzen sind also zwischen 50-70cm hoch und beinahe ebenso breit. Halten wir uns dies vor Augen, so kommen wir mit 4-6 Pflanzen pro Quadratmeter auf den optimalen Mittelweg, um unsere Fläche vollumfänglich auszunutzen, höchstmöglichen Ertrag zu erzielen und um möglichst wenig Zeit und Biomasse zu verlieren.

Dies ist ein gartenbaulich korrektes „Sea of Green“.

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