Stecklinge & Revegetation - Pflanzenvermehrung leicht gemacht

Jedes Jahr haben wir aus unserem Saatgut einige Stängelpflanzen gezüchtet, die wir gerne erhalten würden. Vielleicht gefiel uns das Wuchsbild dieser einen Pflanze besonders gut, der Ertrag war besser als bei anderen Pflanzen, die Früchte größer, der Geschmack besser oder die Blütenproduktion schöner. Egal welches der Grund für unsere Entscheidung ist genau diese Genetik erhalten zu wollen fest steht: Wir wollen genau diese Pflanze mit erbgleicher DNA erhalten.

Nun bleiben uns verschiedene Möglichkeiten die DNA der Pflanze zu erhalten. Ein leichtes ist es, wenn diese Pflanze in einem Topf wuchs. Hatten wir beispielsweise eine besonders schöne Chilipflanze, so schneiden wir sie nach der Haupternte kräftig zurück. Keine Sorge Sie können die Pflanze wirklich komplett rupfen. Zum Herbst schneiden wir unsere Chilis so stark zurück, dass an den Stängeln kein Blatt mehr zu sehen ist. Das einzige worauf wir wirklich achten müssen ist das Vorhandensein von Wachstumspunkten (Astaugen, Chinesenbärte, etc.).

Nach dem Zurückschneiden der Pflanze wenden wir uns an den Wurzelballen. Wir nehmen den Wurzelballen aus dem Topf und entfernen mit einem scharfen Brotmesser gut 2/3 des vorhandenen Wurzelballens. Anschließend Pflanzen wir unsere jetzt wahrlich schrecklich aussehende Pflanze in neue qualitative Topferde und gießen den Topf gut an. Wir tun unserer Pflanze einen großen Gefallen wenn wir sie mit Wurzelstimulatoren und weiteren Algen- sowie Mikrobenextrakten angießen. Dies verringert den Schock der Pflanze und aktiviert das Bodenleben und die an den Wurzeln vorhandenen Pilzkulturen. In der Folgezeit sollten wir das Substrat nicht zu feucht halten, damit sich das zarte Wurzelwerk erst wieder entwickeln kann.

Um ein möglichst starkes Anwachsen ermöglichen zu können sollte unsere Pflanze zur Überwinterung unter eine Beleuchtung gestellt werden. Je nach Pflanzenanzahl eignen sich von kleinen Energiesparbirnen inkl. Nanoreflektor für Einzelpflanzen, über CFL Armaturen für mehrere Pflanzen, bis hin zu Metallhalogen-Hochdruckleuchtmitteln für große Flächen eine Vielzahl von Beleuchtungseinrichtungen.

Eine weitere Möglichkeit der Pflanzenvermehrung stellt die Stecklingsvermehrung dar. Stecklinge enthalten genau dieselbe DNA wie die Mutterpflanze von der wir den Steckling genommen haben. Entsprechend ist die vorhandene DNA auch gleich alt. Einen Steckling zu schneiden ist eigentlich kinderleicht. Lediglich die Pflanzenart kann uns vor Herausforderungen stellen. Einige Pflanzen sind weniger wurzelfreudig als andere. Paprikas und Chilis gehören zu den Arten, die ohne ein Wurzelmittel schlecht bewurzeln und bei denen wir eine hohe Ausfallquote befürchten müssen.

Für das Heranziehen von Stecklingen brauchen wir aber ein wenig Zubehör:

  • Zimmergewächshaus
  • Thermostat & Heizmatte bzw. Heizkabel
  • ggf. eine Beleuchtungseinheit
  • Blähton, Perlite oder Growstones als Unterlage
  • Jiffy, Grodan Steinwolle, Eazy Plug, Speedgrow oder andere Anzuchtwürfel
  • Skalpell
  • Einweghandschuhe
  • Bewurzelungshilfe

Zum Schneiden von Stecklingen müssen wir auf eine saubere und am besten sterile Unterlage zurückgreifen können. Ebenso wichtig sind ein scharfes Skalpell und die Bewurzelungshilfe.

Zunächst schneiden wir den gewünschten Trieb von der Pflanze ab. Ein geeigneter Trieb ist immer ein starker Ast mit zum Teil frischem Gewebe. Kümmerliche Äste und Zweige ergeben auch in Zukunft lediglich einen kümmerlichen Steckling. Der Trieb sollte mindestens drei große ausgebildete Blattpaare plus der Knospe besitzen. Schneiden Sie ihren Steckling nicht zu groß. Große Stecklinge bewurzeln langsamer und gerade als Anfänger gehen diese großen Stecklinge gerne schneller ein.

Nachdem Sie den Steckling direkt unter dem dritten Blattpaar geschnitten haben entfernen Sie die untersten Blätter mit einem sauberen Schnitt am Stängel entlang. Anschließend machen Sie einen sauberen und geraden Schnitt direkt unter der Nodie. Die Nodie ist der Pflanzenbereich an dem die Blätter herauswachsen. Achten Sie bei diesem Schnitt dabei möglichst darauf die ganze Nodie zu erhalten. In der Nodie befinden sich sogenannte Wachstumspunkte aus denen sich Blätter aber eben auch Wurzeln entwickeln können. Je intakter die Nodie ist, umso mehr Wurzeln können sich entwickeln.

Nach dem letzten Schritt sollte der Steckling vorerst in ein Glas Wasser gestellt werden falls Sie vorhaben noch mehr Stecklinge zu nehmen. Bereiten Sie Ihr Zimmergewächshaus richtig vor. Befeuchten Sie die Perlite, den Blähton oder die Growstones mit Wasser, so dass sie feucht aber nicht triefend nass sind. Schütten Sie nun das gewählte Substrat etwa Fingerdick im Mini-Gewächshaus auf. Das Substrat dient dazu die Temperaturen im Gewächshaus gleichmäßiger zu verteilen, erlaubt den jungen Wurzeln zu wachsen ohne direkt auf einer flachen Fläche zu stehen und sorgt für eine ausgewogene Feuchtigkeitsverteilung im Gewächshaus.

Damit Stecklinge schnell und gesund bewurzeln ist die Verwendung eines Thermostates sowie einer Heizmatte sehr ratsam. Achten Sie darauf, dass die Lufttemperatur etwa 3-4°C kühler ist als die Bodentemperatur. Bereiten Sie eine kleine Sprühflasche mit einer sehr leichten Nährlösung vor. Setzen Sie dem Spritzwasser etwas Wurzelstimulanz wie beispielsweise Metrop Root+, CANNA Rhizotonic oder BioBizz Root Juice hinzu. Diese Stimulanzien sind sehr reich an Mikroelementen die Ihre Stecklinge direkt über das Blatt aufnehmen können. Dadurch können Sie ein vergilben der Blätter während der Bewurzelung verhindern.

Anorganische Bewurzelungshilfen wie das damals sehr beliebte Clonex von Growth Technologies sowie Rhizopon AA sind in Deutschland leider nicht mehr zugelassen, bzw. Gott sei Dank, denn die enthaltenen Stoffe erzeugten an der verwendeten Fläche einen Tumor, aus dem die Wurzeln wuchsen. 

In Deutschland sind nur noch organische Bewurzelungshilfen zugelassen die in drei Kategorien eingeteilt werden können. Es gibt gelförmige Bewurzelungshilfen wie beispielsweise Clon-Gel, Rooting Gel oder das Fast Start Gel von Green Buzz Liquids. Bei den gelförmigen Wurzelmitteln gilt zu beachten, dass der Steckling fünf bis zehn Minuten in dem Mittel stehen muss bevor der Steckling in sein Anzuchtmedium gesteckt werden kann. Außerdem haftet meistens recht viel Gel am Steckling, weshalb der Verbrauch dieser Mittel recht hoch ist. Weiter gibt es pulverförmige Bewurzelungshilfen wie beispielsweise WurzelAktivator von Neudorff. Hierbei handelt es sich um sehr homöopathische Inhaltsstoffe die eher Ihnen als Placebo dienen als tatsächlich für die Wurzelbildung verantwortlich zu sein. 

Die praktikabelsten Bewurzelungshilfen sind flüssig. Bei den flüssigen Bewurzelungshilfen wird das Anzuchtmedium mit dem Stimulator behandelt, so dass der Steckling nach dem Schneiden sofort in das Anzuchtmedium gesteckt werden kann ohne minutenlang in dem Mittel stehen zu müssen. Ein sehr gutes Bewurzelungsmittel ist das Produkt Wurzel+ Root Dip von Microbe Life. Root Dip eignet sich sogar für die Verwendung im Aero Cloner, X-Stream oder ähnlichem, wenn Sie die empfohlene Dosierung auf 1/7-1/10 reduzieren. Durch die Anwendungsfreundlichkeit, die hohe Qualität sowie die gering ausfallende Dosierung sind die flüssigen Bewurzelungshilfen trotz eines höheren Einkaufspreises eigentlich deutlich günstiger als die gel- und pulverförmigen Hilfsmittel.

Nachdem wir unsere Stecklinge geschnitten, behandelt und ins Substrat gesteckt haben platzieren wir unsere jungen Pflänzchen im Gewächshaus. Bei der Platzierung im Gewächshaus sollten wir darauf achten unsere Pflanzen nicht zu dicht zu stellen. Je dichter die Pflanzen stehen umso höher ist das Schimmelrisiko. Bleibt uns keine andere Wahl so müssen wir die Blätter etwas beschneiden. Früher war die Blattbeschneidung bei Stecklingen Standard. Heutzutage wird die Beschneidung der Blätter nicht mehr empfohlen, da jede Verletzung eine potenzielle Eintrittspforte für Schaderreger darstellen kann. Außerdem kann die Pflanze ab dem Moment der Wurzelbildung von vorhandenem Chlorophyll nur profitieren.

Bis zum Zeitpunkt der Wurzelbildung müssen wir unsere Stecklinge aber etwas pflegen. Am ersten Tag lassen wir den Deckel unseres Zimmergewächshauses komplett geschlossen. Bereits am zweiten Tag öffnen wir die Belüftungsklappen komplett und heben mindestens zweimal am Tag den Deckel unseres Mini-Gewächshauses ab, um die Stecklinge abzuhärten. Hierzu benetzen wir die Pflanzen jedes Mal mit der Spritzlösung aus unserer Sprühflasche. Wir müssen darauf achten, dass die Blätter wieder vollständig abgetrocknet sind bevor wir die Haube wieder auf das Gewächshaus setzen. Stellen wir fest, dass ein Steckling doch einmal anfängt zu schimmeln so entsorgen wir ihn sofort, um die restlichen Stecklinge nicht zu gefährden. Anfängern rate ich immer zur Verwendung möglichst großer Anzuchtwürfel, da diese Sie nicht dazu verleiten werden die jungen Pflanzen bereits beim Erscheinen der ersten Wurzelspitzen in die Folgetöpfe zu pflanzen. Achten Sie vor dem Umtopfen ihrer bewurzelten Stecklinge in jedem Fall darauf, dass das Medium gut durchwurzelt ist.

Ist es bereits Herbst oder Winter so sollten Sie das Gewächshaus leicht beleuchten um photosynthetische Prozesse am Laufen zu halten. Hierbei reicht eine kleine Energiesparlampe völlig aus. Möchten Sie die Pflanzen weiter unter einer Lampe halten, so sollten Sie sich ggf. doch für eine stärkere CFL Beleuchtung entscheiden, damit Ihre jungen Lieblinge gut wachsen können.

 

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