Bewässerungszyklen bei Hydrokulturen

Viele Gärtner haben Probleme bei ihren ersten Hydrokulturversuchen, da sie die Bewässerungszyklen anfangs nicht richtig einschätzen können. Bei vielen Systemen können und sollen die Pflanzen sogar fortlaufend bewässert werden, doch bis es soweit ist kann einige Zeit vergehen.

Fangen wir mit den Besonderheiten der einzelnen Systeme an.

NFT – Nutrient Film Tecnique (Nährfilmtechnik)

Bei NFT-Systemen, wie den Gro-Tanks oder Multi Duct Systemen von Nutriculture ist es außerordentlich wichtig die Pflanzen erst auf das System zu stellen, wenn sie wirklich gut bewurzelt sind. NFT-Systeme sind sehr einfache Hydrosysteme und dem Gärtner steht es frei ob er seine Jungpflanzen auf Erde, Kokos, Steinwolle oder Growstones vorgezogen hat. Je höher die Wasserspeicherkapazität des Anbausubstrats ist, umso wichtiger ist es, dass die Wurzelballen vollständig entwickelt sind. Werden die Pflanzen zu früh auf das NFT-System gesetzt, so werden sie kümmern oder sogar eingehen. Entsprechend warten wir so lange ab bis der Außenbereich des Anzuchttopfes oder des Steinwollblocks wirklich weiß von Wurzeln durchzogen ist.

In den ersten Tagen auf dem NFT System müssen sich die Pflanzen zunächst an die neuen Begebenheiten gewöhnen. Beginnen sollten wir mit kurzen aber häufigeren Bewässerungszyklen, während wir in den ersten vierzehn Tagen versuchen jeden Tag mehr Bewässerungsintervalle hinzuzufügen. Entsprechend beginnen wir an den ersten zwei Tagen mit drei kurzen Bewässerungszyklen. Einer am Morgen, einer am Mittag und einer am Abend. Anschließend versuchen wir vier Zyklen einzuführen. Einer am Morgen, einer am Vormittag, einer am Nachmittag und einer am Abend. Diesen Zyklus versuchen wir vier Tage zu halten. Anschließend versuchen wir 6 Zyklen einzuführen, so dass alle zwei Stunden die Pumpe kurz anläuft. Auch diesen Zyklus halten wir einige Tage, bis wir den Zyklus auf einmal stündlich einstellen. Wenn wir auch diesen Zyklus einige Tage halten konnten und sich die Pflanzen gut entwickeln können wir den Zyklus komplett ausstellen und die Pumpe dauerhaft laufen lassen. Nachts muss die Pumpe nicht laufen, die Wurzeln sollten aber nicht austrocknen, weshalb wir bei größeren Pflanzen die Pumpe pro Nacht zweimal kurz laufen lassen, damit die Wurzeln nicht austrocknen können.

Ebbe & Flut Systeme

Bei Ebbe & Flut Systemen, beispielsweise IWS Systeme, sollte über die gesamte Kulturperiode eine zyklische Bewässerung erfolgen. Ebbe & Flut Systeme können mit organischen Substraten wie Torf und Kokos aber auch mit anorganischen Substraten wie Growstones und Blähton betrieben werden. Auch bei diesem System gilt: Je höher die Wasserspeicherkapazität des Substrats, umso seltener sollte bewässert werden. 

Bei Verwendung von Torf oder Kokos sollte in der ersten Zeit lediglich im Abstand einiger Tage bewässert werden. Je weiter die Durchwurzelung voran schreitet umso häufiger sollte bewässert werden, bis schlussendlich ein- oder zweimal am Tag bewässert werden muss. Bei den meisten Pflanzen dauert es aber bis zu 10 Wochen bis eine tägliche Bewässerung tatsächlich nötig ist.

Falls sie anorganische Substrate verwenden reicht es wie bei NFT-Systemen aus, wenn anfangs lediglich zweimal täglich am Morgen und am Abend kurz bewässert wird. Nach einer Woche kann ein zusätzlicher Zyklus hinzugefügt werden. Als grobe Richtlinie können folgende Intervalle beachtet werden:

1. Woche: alle 12 Stunden einmal fluten

2. Woche: alle 8 Stunden fluten

3. Woche: alle 6 Stunden fluten

4. Woche: alle 4 Stunden fluten

In der Regel reicht es für die meisten Pflanzen bis zur Ernte völlig aus, wenn bei Ebbe & Flut Systemen und der Nutzung von anorganischen Substraten das System maximal alle vier Stunden geflutet wird.

Zu häufige Flutungen machen sich durch einen kümmernden Pflanzenwuchs und eine schlechte Durchwurzelung des Topfes bemerkbar.

Tröpflersysteme mit anorganischen Substraten

Bei Tröpflersystemen, wie den Flo-Gro Systemen und gleichzeitiger Nutzung von anorganischen Substraten sollte genauso vorgegangen werden wie bei Ebbe & Flut Systemen.

Aeroponik

Auch  bei aeroponischen Systemen ist es ratsam die Bewässerung am Anfang der Kultur nicht dauerhaft durchlaufen zu lassen, um eine gesunde Wurzelentwicklung gewährleisten zu können. Da sich die Wurzeln aber völlig nackt ohne Substrat in der Wurzelkammer befinden, müssen die Bewässerungszyklen selbstverständlich viel häufiger erfolgen. Auch die Temperatur muss beachtet werden, da die Wurzeln natürlich schneller abtrocknen je wärmer es ist. Ich empfehle in der ersten Woche die Bewässerung in einem Zyklus von 15 Minuten an zu 30 Minuten aus zu schalten. In der zweiten Woche dann 15 Minuten an zu 15 Minuten aus und ab der dritten Woche die Bewässerung rund um die Uhr laufen zu lassen.

Deepwater Culture

Bei der Deepwater Culture wachsen die Wurzeln der Pflanzen aus dem Netztopf direkt in die Nährlösung. Am Boden des Pflanzenbehälters befindet sich ein Sprudelstein, der die Nährlösung mit Sauerstoff anreichert und dessen spritzendes Wasser den Netztopf befeuchtet. Um ein gesundes anfängliches Wurzelwachstum zu ermöglichen sollte der Wasserstand soweit aufgefüllt werden, bis der Netztopf leicht im Wasser steht. Je nach Größe des Netztopfs brauchen die Pflanzen einige Tage, um diesen zu durchwurzeln. Entsprechend sollte in der ersten Woche der Sprudelstein im Zyklus 15 Minuten zu 15 Minuten ausgeschaltet werden. Erst ab der zweiten Woche bzw. dann, wenn die Wurzeln richtig in die Nährlösung wachsen sollte der Sprudelstein dauerhaft in Betrieb genommen werden.

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