1000W oder 600W? - Oder was ist eigentlich dieser Footprint?

Geht man als Kunde in ein Fachgeschäft das Pflanzenbeleuchtung verkauft, so zeigt meine Erfahrung, dass in 80% der Geschäfte die Kunden falsch beraten werden. Entweder aus Unwissenheit, was für ein Fachgeschäft etwas schade ist oder weil das Hauptaugenmerk der Verkäufer leider beim eigenen Gewinn, als bei der zielführenden Beratung des Kunden liegt.

Wie wir im Artikel PAR - Das Lichtspektrum der Pflanzen sowie in Moderne Pflanzenbeleuchtung - Hocheffiziente Pflanzenzucht bereits lesen konnten lassen sich Messwerte unterschiedlich angeben und die Beleuchtungstechnolgien unterscheiden sich maßgeblich untereinander.

Jedes Leuchtmittel hat seinen eigenen PPF-Wert der nicht variabel ist. Dies heißt aber noch lange  nicht, dass jedes Leuchtmittel mit gleicher Wattstärke den gleichen PPF-Wert hat. Die Werte zwischen den einzelnen Herstellern unterscheiden sich zum Teil immens.

Nicht für jede Situation eignet sich jede Beleuchtungseinheit gleich gut. Schließlich kommt auch niemand auf die Idee in einer 60cm x 60xm Klimakammer mit einer Höhe von 1,2m eine 600W Lampe mit Adjust-A-Wings Reflektor aufzuhängen, da dies einerseits viel zuviel Licht auf die Fläche bringt, mit dessen Lichtmenge die Pflanzen überhaupt nichts anfangen können und andererseits die Hitzeentwicklung viel zu hoch ist.

Da der PPF-Wert des Leuchtmittels nicht variabel ist kommen wir zum variablen PPFD-Wert. Je höher der PPF-Wert des Leuchtmittels ist, umso mehr gibt uns dieser Wert aufschluss darüber, wie groß der mögliche Footprint der Lampe sein wird. Der Footprint ist die mögliche zu beleuchtende Fläche von einer Beleuchtungseinheit, während der PPFD-Wert die Lichtintensität auf einem Quadratmeter darstellt. Je mehr Watt desto mehr Footprint könnte man sagen. Der Footprint wird aber nicht nur vom Leuchtmittel ausgemacht, sondern auch vom Reflektor.

Bauartbedingt kann man sagen, dass eigentlich kein einziges Leuchtmittel eine quadratische Fläche mit gleich guten Werten ausleuchtet, da vor allem bei single ended Leuchtmitteln and der abgerundeten Spitze viel Licht verloren geht, mehr sogar als an der Fassungsseite.

Der PPF-Wert ist zwar nicht variabel, wird aber doch beeinflusst. Für die veröffentlichten Messergebnisse der Hersteller werden Komplettarmaturen bzw direkt am Vorschaltgerät befestigte Fassungen verwendet. Dadurch ist der Widerstand zwischen Vorschaltgerät und Leuchtmittel möglichst gering und das Leuchtmittel kann die höchsten Messergebnisse erzielen. Würde ein Hobbyvorschaltgerät mit einem Kabel zwischen Vorschaltgerät und Leuchtmittel verwendet werden, so wäre das Messerergebnis niedriger, da der höhere Widerstand des Kabels dem Leuchtmittel nicht erlaubt seine maximale Lichtmenge abzugeben. Zusätzlich können die Kabel, müssen aber nicht, zwischen Vorschaltgerät und Leuchtmittel elektromagnetische Interferenzen (EMI) erzeugen. Diese können so stark sein, dass Fernsehen, W-Lan oder Radio der Nachbarschaft gestört wird.

Als kleiner Anhaltspunkt, wie stark die Lampe ausgewählt werden sollte, kann die folgende Auflistung verwendet werden:

  • ~0,3m² --> 250W
  • ~0,8m² --> 400W
  • ~1,2m² --> 600W
  • ~1,9m² --> 1000W
  • ~2,7m² --> 1500W

Der angebene Footprint stellt nur ein Beispiel dar, da der ausgewählte Reflektor und das passende Vorschaltgerät den Footprint auch noch beeinflusst. Jedoch gibt es einen ungefähren Angaltspunkt darüber wie groß die zu beleuchtende Fläche ist, die eine Lampe ausleuchten kann.

Die größe und der Preis eines Refltors gibt dem Kunden leider keinerlei Aussage darüber wie gut oder schlecht der Footprint sein wird. PAR-Messungen mit dem teuersten Flügelreflektor im Vergleich zum einfachen Miro9-Standardreflektor haben ziemlich identische Messergebnisse geliefert. Und das sogar auf einer rechteckigen Fläche von 110cm x 140cm, für die die Flügelreflektoren angeblich sogar ausgelegt sein sollen. Im direkten Vergleich auf der selben Referenzfläche haben professionelle Gartenbaureflektoren trotz viel geringerer Reflektorgröße durch die Bank weg höhere und vor allen Dingen viel gleichmäßiger verteilte Messergebnisse geliefert als die Hobbyreflektoren.

Der höhere Anschaffungspreis relativiert sich sehr schnell durch die benötigte Anzahl der Beleuchtungseinheiten auf der potenziellen Pflanzfläche. Gehen wir für die Beispielrechnung von einer Pflanzfläche von 10m² aus:

  • ~0,3m² --> 250W --> 33 Beleuchtungseinheiten (~176€ x 33 = 5.808€)
  • ~0,8m² --> 400W --> 12,5=13 Beleuchtungseinheiten (~206€ x 13 = 2.678€)
  • ~1,2m² --> 600W --> 8 Beleuchtungseinheiten (~290€ x 8 = 2.320€)
  • ~1,9m² --> 1000W --> 5 Beleuchtungseinheiten (~490€ x 5 = 2.450€)

Der preisliche Unterschied zwischen den Beleuchtungseinheiten von 600W sowie 1000W ist minimal. Die 1000W Variante ist zwar noch ein Stückchen teurer, dafür ist diese Beleuchtungseinheit qualitativ hochwertiger, da es sich um eine Komplettarmatur handelt mit allen Vorzügen des geringeren Widerstands, dem effizienteren Leuchtmittel und einem Reflektor der gleichmäßigerere Messergebnisse liefert. Außerdem ist diese Armatur im Betrieb merklich günstiger, da zwar teurere Leuchtmittel ausgetauscht werden müssen, aber dafür 3 Stück weniger als bei der 600W Variante und obendrein seltener, da die Lebenserwartung eines double ended (DE) Leuchtmittels ein vielfaches über dem eines single ended Leuchtmittels liegt.

Ein einzelnes 1000W Leuchtmittel ist im Vergleich zum 600W Leuchtmittel natürlich wärmer, dafür ist die Tiefenwirkung um einiges höher. Bei mehreren Lampen in einem Raum erwärmen die 5 Beleuchtungseinheiten in 1000W den Raum nicht stärker als bei 8 Beleuchtugseinheiten in 600W.

Jetzt werden wohl einige Leser zu dem Schluss kommen mögen, dass mehr Beleuchtungseinheiten auf einer Fläche auch eine gleichmäßigere Lichtverteilung bedeuten. Das dachten wir lange Zeit auch. Allerdings haben die Messergebnisse andere Daten geliefert, die selbst uns überrascht haben.

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.